Zivilrechtliche Haftung nach rücksichtslosem Foulspiel beim Fußball

Ein interessantes Urteil, auch gerade für Amateurkicker, durch das OLG Hamm vom 22.10.2012 (Az.: I-6 U 241/11).

Bisher konnte im Falle einer sogenannten "Blutgrätsche" (grobes Foulspiel, bei dem es dem Foulenden nicht darauf ankommt, den Ball zu treffen) von einem Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld ausgegangen werden. Indiz eines solchen Fouls ist zumeist die rote Karte.

Mit diesem Urteil könnte nun auch ein gelbwürdiges rücksichtsloses Foul beim Kampf um den Ball für die Durchsetzung der Ansprüche ausreichen.

Das Gericht hatte über ein Foul mit gestrecktem Bein zu entscheiden:

"...Durch das vom Schiedsrichter mit der gelben Karte geahndete Foul zog sich der Kläger eine schwere Knieverletzung zu, in deren Folge er seinen Beruf als Maler und Lackierer bis heute nicht mehr ausüben kann. Für die nach seiner Darstellung durch eine grob regelwidrige Spielweise zugefügte Verletzung verlangte der Kläger vom Beklagten Schadensersatz, insbesondere Schmerzensgeld. Der haftpflichtversicherte Beklagte hatte seine Haftung in Abrede gestellt und gemeint, der Kläger habe sich bei einem regelgerechten Zweikampf um den Ball eine unglückliche Verletzung zugezogen.

Der 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm hat die Verurteilung des Beklagten zur Leistung umfassenden Schadensersatzes, u.a. eines Schmerzensgeldes in Höhe von 50.000 €, bestätigt. Mangels Fahrlässigkeit hafte ein Fußballspieler zwar nicht, wenn er seinen Gegenspieler bei regelgerechter und dem Fairnessgebot entsprechender Spielweise verletze. Im vorliegenden Fall aber hafte der Beklagte, weil er unter Verstoß gegen die DFB-Fußballregel Nr. 12 rücksichtslos gehandelt habe. Er habe den zur Verletzung des Klägers führenden Zweikampf ohne jede Rücksicht auf die Gefahr und die Folgen seines Einsteigens für den Gegner geführt. Hiervon sei das Landgericht nach einer umfangreichen Beweisaufnahme zu Recht ausgegangen."
(Quelle: Presseerklärung des OLG Hamm vom 26.11.2012)

Aber auch der beste Anspruch ist nur dann etwas wert, wenn man ihn auch beweisen kann.
Hierfür kommt es besonders auf den Spielbericht und eine Vielzahl von Zeugen (auch außerhalb der eigenen Mannschaft) an.

Zur eigenen finanziellen Absicherung sollte auch unbedingt eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden!
(RA Kay Sommer)

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